Aufwühlendes Stück Geschichte

   

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Volker Rieß hat maßgeblich die jetzt erschienene Dokumentation über das jüdische Leben rund um Hammelburg mit gestaltet.

Der Katalog zur Aus­stellung "Jüdisches Leben in und um Hammelburg" gereicht der Stadt Hammelburg und dem Frobenius-Gymnasium zur Ehre.

Die Hardcover-Ausgabe über die Ausstellung vom 12.Oktober bis 10. Dezember 2000 im Stadtmuseum Herrenmühle ist nicht nur betrachtenswert gestaltet, sie birgt laut Initiator Volker Rieß auch "ein wesentliches Stück Heimatgeschichte für kommende Generationen".

Seit dem Osterwochenende liegt der übersichtlich strukturierte Ausstellungskatalog bei der Firma Walz, in der Touristinformation und in allen Hammelburger Buchläden zum Verkauf für 24,90 Mark aus.

Volker Rieß und Bürgermeister Arnold Zeller präsentierten die Dokumentation. Bürgermeister Zeller erinnerte daran, dass es lange Zeit jüdische und christliche Gemeinden in der Stadt und den umliegenden Dörfern gab."Die Erinnerung, das Nichtvergessen, ist die einzige Ehre, die wir unseren ermordeten Mitbürgerinnen und Mitbürgern von einst erweisen können", betont das Stadtoberhaupt.

Besonders erwähnenswert ist die Mitarbeit sowohl bei der Ausstellung wie beim Entstehen des Katalogs von Schülerinnen und Schülern des Frobenius-Gymnasiums. Seien es die aufwühlenden Gemälde über im Dritten Reich verfolgte Juden, seien es die neu übertragenen Gedichte des jüdischen Minnesängers "Süßkind von Trimberg" oder sei es der historische Rückblick in englischer Sprache "Chronological summary of Jewish Life in and around Hammelburg", den zwei Schülerinnen übersetzten.

 

Es ist ein besonderer Verdienst von Volker Rieß, die Schülerinnen und Schüler in dieses Aufarbeiten der jüdischen Hammelburger Staatgeschichte eingebunden zu haben.

Den Rücken zu dieser Arbeit stärkten ihm sowohl dieSchulleitung wie auch seine Kolleginnen und Kollegen.

Der Katalog zeigt die chronologische Übersicht über die Geschichte der jüdischen Mitbevölkerung in und um Hammelburg, beginnend im Jahre 1298 bis zum fatalen Ende im Hammelburger Raum während des Dritten Reiches.

Aufschlussreich ist der Gastbeitrag von Dr. Falk Wiesemann (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) "Die Genisa der Synagogengemeinde Westheim".

Zahlreiche Fotos und Texte erläutern gelebtes Judentum in unser Region im Geschäftsbereich, im Vereisleben und im einst selbstverständlichen täglichen Miteinander.

Die nun vorliegende erste Auflage umfasst 1000 Stück.

Gut verstaut im Reisegepäck treten etliche Exemplare heute,18.4.2001, bereits die Ausreise ins Tal der Gemeinden, ins israelische Yad va Shem, an. Beim dortigen Treffen im Tal der Tränen vor den Toren Jerusalems, wo in einer Gedenktafel alle Ortsnamen von einstigen deutschen jüdischen Gemeinden eingemeißelt sind, werden Bürgermeister Zeller, das Pfarrerehepaar Rüster und Volker Rieß den Ausstellungskatalog als Gastgeschenk überreichen

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Der Katalog "Jüdisches Leben in und um Hammelburg" gehört in jedes Haus, wo sich Menschen ihrer Verantwortung um (Heimat-)Geschichte bewusst sind. Dokumentarisch belegt er, wie blühend einst das jüdische Leben wirkte. Er schreckend belegt das Werk, welches geistige und menschliche Potential das Dritte Reich auch hier bei uns auslöschte. Gewiss wäre nicht alles eitel Sonnenschein, es gäbe auch Reibungspunkte, wenn jüdische Mitbürger hier noch lebten und wirkten. Doch darauf hätten alle Beteiligten ein Recht, welches ein Unrechtssystem brutal entzog. Dies nie mehr geschehen zu lassen, ist unser aller Aufgabe. Der Katalog stellt dazu einen wichtigen Baustein dar. Er hilft gegen Unwissen, das leider auch heute noch allzu oft Nährboden für Intoleranz gegenüber Minderheiten ist.

A.Silberbach